Gehaltsniveau Physiotherapie
 
In jeder Hinsicht schlecht bezahlt
 
Ein sachlich ernüchternder Blick auf das Entgelt von Physiotherapeuten 2021
 

 

Ein auskömmliches Einkommen für alle, die sich anstrengen und der Gesellschaft etwas zu geben haben. Dies ist eigentlich das Versprechen der sozialen Marktwirtschaft.

Eigentlich – denn wenn man ehrlich ist, haben seit langer Zeit die Physiotherapeuten den Eindruck, dass dieses Versprechen vielleicht für viele gilt, aber bestimmt nicht für sie. Aber wie kommt diese Berufsgruppe nur zu dieser "abenteuerlichen" Einschätzung?

Wer weiß, aber eventuell hat das Gefühl der ungerechten Bezahlung ja auch mit folgenden nüchternen und ernüchternden Zahlen aus dem Jahre 2021 zu tun.

 

Wie viel sollte ein Physiotherapeut verdienen?

Hierzu gibt es mehrere Orientierungspunkte:

den Schiedsspruch aus dem Frühjahr 2021, die Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit, ein Vergleich zu einem Altenpfleger oder ganz allgemein der Vergleich mit dem Medianverdienst in Deutschland.

 

Der Schiedsspruch:

    • aus dem Frühjahr 2021 legt fest, dass ein angestellter Physiotherapeut ein Einkommen in Höhe der Entgeltgruppe 7 (Stufe 5) des TVÖD-Niveau haben sollte. Dies wären im Augenblick:

3.353 Euro

 

Die Bundesagentur für Arbeit:

    • Gemäß Klassifikationsserver der Statistischen Landes- und Bundesämter werden Berufe in der Physiotherapie als „Komplexe Spezialistentätigkeit“ eingestuft. Und die Bundesagentur für Arbeit beziffert für diese Qualifikation einen Medianverdienst von:

4.522 Euro *

 

Altenpflege:

    • Gemäß der Bundesagentur verdiente ein Altenpfleger 2021 im Median:

3.382 Euro **

 

Durchschnittsdeutscher:

    • Otto Normalbürger hatte 2021 einen Medianverdienst von:

3.516 Euro

 

Was verdient ein Physiotherapeut?

  • Laut obengenannten Entgeltatlas der Bundesagentur lag der Medianverdienst eines Physios 2021 bei

2.801 Euro

 

Fazit:

Setzt man alle diese Zahlen in Bezug zueinander, bedeutet dies: Ein Physiotherapeut verdiente 2021

•   552    Euro weniger als vom Schiedsspruch vorgesehen,
•   1.721 Euro weniger als von den staatlichen Stellen als angemessen erachtet,
•    581   Euro weniger ein Altenpfleger oder
•    715   Euro weniger als der Durchschnittsdeutsche.

 

Schwarze-Peter-Spiel

Fragt man jetzt nach dem Schuldigen für die Misere, erhält man ganz unterschiedliche Antworten – je nachdem wen man fragt. Fragt man beispielsweise eine der teuersten unter den gesetzlichen Krankenkassen – die Barmer Ersatzkasse (BEK) – ist es ganz klar: Die bösen Praxisinhaber sind schuld. Diese geben die Vergütungserhöhungen einfach nicht an ihre Mitarbeiter weiter und stopfen sich stattdessen die Taschen voll…

Würde man dagegen die Berufsverbände oder die Praxisinhaber befragen, wiesen diese mit Sicherheit auf die durch jahrelange Grundlohnsummenbindung deutlich zu niedrigen Preise und einen gewissen Nachholbedarf hin.

Und so sitzen und sitzen die immer gleichen Beteiligten immer und immer wieder Jahr für Jahr in den immer gleichen zähen Verhandlungsrunden, schieben sich den Schwarzen Peter für den Niedergang des Berufsstandes zu ... und die Zahlen singen am Ende eines jeden Jahres das immer gleiche traurige Lied.

 

 * In das Feld "Berufsgruppe" den Wert 817 eingeben.

** In das Feld "Berufsgruppe" den Wert 821 eingeben.

Quelle: https://physio.de/community/news/in-jeder-hinsicht-schlecht-bezahlt/99/10836/1 vom 19.08.2022